Begründung


Fernsehjournalist des Jahres 2007


Stefan Aust Helmar Büchel Stefan Aust, 61, und Helmar Büchel, 45, für ihre ARD-Dokumentation "Die RAF", die neue Erkenntnisse über eine alte Geschichte brachte.

Zwei Jahre lang haben die SPIEGEL-TV-Journalisten Zeugen befragt, Akten gelesen, Dokumente gesichtet. Dabei förderten sie brisantes und bislang völlig unbekanntes Material zutage. Tonbänder aus dem Gerichtssaal und Abhörprotokolle aus dem Gefängnis belegen, dass der Deutsche Herbst 1977 immer noch fasziniert und längst nicht aufgearbeitet ist. RAF-Experte Aust und sein Kollege Büchel haben eine umfassende Dokumentation vorgelegt, die wie der "Baader-Meinhof-Komplex" zum Standardwerk werden könnte.

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Mehran Bozorgnia Stefan Buchen Mehran Bozorgnia, 50, und Stefan Buchen, 38, für ihren mutigen Film "Die dreisten Drogenbarone" im ARD-"Weltspiegel".

Aus Afghanistan erreichen uns täglich viele Nachrichten. Doch die wenigsten können vermitteln, was in dem Land wirklich vorgeht. Mit ihrem mutig recherchierten Beitrag über afghanische Drogenbarone öffneten Bozorgnia und Buchen den Zuschauern die Augen für ein bisher unterschätztes Problem. Afghanische Bauern arbeiten mit Drogenschmugglern zusammen, um ihre Familien zu ernähren. Was das für Folgen auf der gesamten Welt hat, schildern die Filmemacher eindrucksvoll.

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Claus Kleber Claus Kleber, 52, weil er als Anchorman vom "heute journal" neue Akzente gesetzt und frischen Wind in die ZDF-Nachrichten gebracht hat.

Eigentlich wollte Claus Kleber für immer ARD-Auslandskorrespondent bleiben. Doch dem Angebot des ZDF, Wolf von Lojewski zu beerben, konnte er dann doch nicht widerstehen. Die Mainzer räumten ihm ein, regelmäßig Reportagen in aller Welt drehen zu dürfen. Inzwischen ist Kleber einer der beliebtesten Nachrichtenmoderatoren des Landes. Er hat einen neuen Stil etabliert, regt das Publikum zum Mitdenken an und zeigt auch mal Ironie. Sein glaubwürdiges, souveränes Auftreten tut der politischen Fernsehberichterstattung gut.

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Stefan Raab Stefan Raab, 41, PROSIEBEN, für seine innovative Samstagabend-Show "Schlag den Raab".

Sicher, Stefan Raabs "TV Total" wird von Sendung zu Sendung öder. Doch mit seiner Samstagabend-Spielshow "Schlag den Raab" hat er bewiesen, dass er immer noch einer der originellsten Fernsehmacher ist – und dass man mit einem pfiffigen Konzept auch gegen Quoten-Gigant „Wetten dass ...“ samt Volksheld Thomas Gottschalk eine Chance haben kann. Weil die Idee so gut ist, läuft das epische Format unter dem Titel "Beat Your Host" inzwischen auch erfolgreich im Ausland.

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Caren Miosga Caren Miosga, 38, ARD, weil sie alle eines Besseren belehrte, die ihr die Moderation der "Tagesthemen" nicht zutrauten.

Als Miosga das erste Mal die "Tagesthemen" moderierte, begann sie die Sendung mit den Worten: "Ich bin die Neue bei den Tagesthemen, und Thomas Enders wird neuer Chef bei Airbus. Nur über Letzteres wollen wir heute natürlich reden." Volltreffer. Die Journalistin, die zuvor "Kulturjournal", "Zapp" und "Titel Thesen Temperamente" moderierte, wirkt unprätentiös, sympathisch und klug und stellt böse Fragen nett. Skeptiker, die sie als Kulturschnepfe ansahen und ihr das Big Business nicht zutrauten, belehrt sie eines Besseren: Ja, sie kann auch Politik.

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Oliver Pocher Oliver Pocher, 29, weil er es geschafft hat, in der ARD unterzukommen – und das ausgerechnet bei Late-Night-Altmeister Harald Schmidt.

Oliver Pocher verkörperte bis vor kurzem das laute, böse Privatfernsehen, stand für Eimersaufen auf Malle, Hannover 96 und ordinäres Car-Hifi aus Elektroabholmärkten. Der Subwoofer der Fernsehunterhaltung. Groß war die Überraschung, dass sich Feuilletons Liebling Harald Schmidt ausgerechnet ihn als jugendliche Allzweckwaffe in die Sendung holte. Die Rechnung ist aufgegangen.Pocher, ein präziser, zynischer Beobachter, hat Schmidts Show verlorenen Schwung zurückgebracht.

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Cordula Stratmann Cordula Stratmann, 44, SAT.1, weil sie mit "Das weiß doch jedes Kind" einen neuen Quiz-Show-Boom ausgelöst hat.

Cordula Stratmann war in diesem Jahr Trendsetterin: Weil sie mit dem Schulwissen-Quiz "Das weiß doch jedes Kind" auf SAT.1 tolle Quoten holte, schickte auch Rate-Primus Günther Jauch seine Kandidaten in die RTL-Quiz-Schule. Stratmann, preisgekrönte Komikerin, ist charmant, witzig, schlagfertig, tut nie schlauer als ihre Gäste und ist ein klein wenig verrückt. Kurzum: Sie ist die perfekte Quizmasterin. Dank ihr erlebte das zuletzt vor sich hinsiechende Quiz-Genre seine Renaissance.

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Anne Will Anne Will, 41, ARD, weil sie ihre kompetente und unaufgeregte Art der Nachrichtenpräsentation auf ihre Talkshow übertragen hat.

Nachdem im Februar 2007 feststand, dass sie Sabine Christiansens Erbe am Sonntagabend antreten würde, hat Anne Will strategisch-klug ihre neue Talkshow publizistisch vorbereitet. Kein Wunder, der Erfolgsdruck war riesig, denn von ihr wurde nicht weniger als die Rettung des Formats "Politische Talkshow" erwartet. Will versteht es nachzuhaken und unterbricht charmant, wenn Politiker sich zu sehr in ihrer PR-Show verlieren. Ihren Anspruch, in der Sendung die Politik mit der Realität zu konfrontieren, hat sie einlösen können.

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Flavor Flav Flavor Flav, 48, weil er mit seiner MTV-Show "Flavor of Love" ein politsch höchst unkorrektes Statement setzt.

In Zeiten gesellschaftlicher Rundum-Feminisierung lud der New Yorker Rapper, der mit bürgerlichem Namen William Jonathan Drayton Jr. heißt, 20 Frauen auf sein Anwesen ein und sortierte Runde für Runde eine der aufgetakelten Bewerberinnen aus. Und zwar nach schonungslos chauvinistischen Kriterien. Übrig blieb die Kandidatin mit dem schönen Namen Hoopz. Flav hielt es mit der Dame allerdings nicht lange aus, woraufhin MTV eine zweite Staffel produzierte. Das regierende Feminat übergibt sich; Jungs grinsen beglückt.

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Reinhold Beckmann Reinhold Beckmann , 51, ARD, für sein Interview mit dem Radprofi Bert Dietz, das den Doping-Skandal erst richtig ins Rollen brachte.

Erst war Jan Ullrich bei Beckmann zu Gast, mimte das Unschuldslamm und schuf damit Raum für Spekulationen um seine Dopingverstrickungen. Dann kam das Interview mit Bert Dietz, und es gab kein Halten mehr. Der ehemalige Telekom-Profi sprach offen wie kein Sportler zuvor über Dopingpraktiken. Beckmann bot Dietz eine Öffentlichkeit und fragte sich unplakativ und zielsicher durch den Doping-Sumpf. Der professionelle Radsport hatte einen handfesten Skandal, der die Tour de France zur Farce machte.

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Radiojournalist der Jahres 2007


Christoph Grissemann Dirk Stermann Christoph Grissemann , 41, und Dirk Stermann, 41, RADIO EINS, für Gaga-Quatsch und beste Radio-Unterhaltung am Sonntagnachmittag.

Das deutsch-österreichische Satirikerduo begeistert mit ihrer "Show Royal" seit 1998 die stetig wachsende Fangemeinde auf RADIO EINS (RBB). Zynismus ist Programm. Mit grotesker Lyrik, absurder Radionovela und skurillen Terroranrufen bürsten sie das landläufige Radioprogramm gegen den Strich. Gesucht und gefunden haben sich Grissemann und Stermann als Moderatoren beim ORF. Ob Jörg Haider, die Schweiz ("der Irak Europas") oder der Eurovision Song Contest – niemand ist vor ihrem Spott sicher.

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Siegrfried Buschschlüter Siegfried Buschschlüter, 65, DEUTSCHLANDRADIO, weil er sein Leben und Arbeiten dem hinterfragenden.

Buschschlüter versorgte uns 13 Jahre lang zuverlässig mit Nachrichten aus Washington. Als Auslandskorrespondent für das DEUTSCHLANDRADIO berichtete er über die Präsidenten Clinton und Bush, über die Anschläge vom 11. September, über Wirbelsturm Katrina und die Schicksale einfacher Menschen. Dabei wahrte er immer einen unabhängigen Standpunkt und verstand es, seinen Hörern das Geschehen bildlich zu vermitteln. All dies tat Buschschlüter, der seit August im Ruhestand ist, mit großer persönlicher Leidenschaft.

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Jan Lerch Jan Lerch, 41, Redaktionsleiter und Moderator bei MOTOR FM, weil er journalistische Qualität bei dem privaten Radiosender etablierte.

Seit 2006 verantwortet Jan Lerch beim Musiksender MOTOR FM das Wortprogramm – das mittlerweile für Qualität, Originalität, Unabhängigkeit und Unberechenbarkeit steht. Redaktionsleiter Lerch, der zuvor die RBB-"Abendschau" moderierte, hat in Kooperation mit der NETZEITUNG das zum Senderprofil passende, unabhängige und kritische Wortformat entwickelt. Damit gehört MOTOR FM zu den wenigen privaten Sendern mit echtem Wortanteil und hat sich seinen Platz im heiß umkämpften Berliner Radiomarkt erobert.

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Eric Markuse Eric Markuse, 45, für die Umwandlung von RADIO SPUTNIK in ein viel versprechendes Multimediaprojekt für die U30-Generation.

SPUTNIK-Programmchef Eric Markuse hat viel vor: Aus der bisher verkrampft-jugendlichen jungen Welle des MDR soll ein lässiges, neuartiges, multimediales Projekt werden. SPUTNIK verzahnt Radio und Internet und wirkt wie ein gelungener Mix aus MYSPACE und Musikplattform. Video-Reporter, Streams, Blogs, Foren und eine breite Community ("mySPUTNIK") sind die Schlagwörter, die bei dem Hallenser ganz oben auf der Agenda stehen. Genau das Richtige für Leute unter 30 mit Abi und DSL.

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John Ment John Ment, 44, Moderator bei RADIO HAMBURG, weil seine Morning-Show die beste der Stadt ist .

RADIO HAMBURG steht seit 1993 unangefochten an der Spitze der Hamburger Radiosender. Das liegt nicht zuletzt an Moderator John Ment, der morgens über 265.000 Hörer vors Radio lockt – seine Morning-Show ist die erfolgreichste Radiosendung der Stadt. Zwar setzt auch Ment auf den erprobten Mix aus Comedy, Super-Hits und Gewinnspiel. Aber er ist glaubwürdig, neugierig und viel auf Hamburgs Straßen unterwegs. Ment, der seit 2002 auch stellvertretender Programmdirektor der Welle ist, will wissen, was die Leute reden und was sie bewegt.

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Günter Müchler Günter Müchler, 61, weil der Programmdirektor den DEUTSCHLANDFUNK zum zentralen Informationssender weiterentwickelt hat.

Während andere öffentlich-rechtliche Wellen seit Jahren gegen den Hörerschwund ihre Programme verschlimmbessern, hat Günter Müchler seinen DEUTSCHLANDFUNK ganz behutsam aufgehübscht: etwas jünger, etwas weiblicher und ein kleines bisschen verspielter. Der DEUTSCHLANDFUNK ist eine Marke und, entgegen dem Trend zum Formatradio, ein klassisches Einschaltprogramm mit Themensendungen geblieben. Die Gruppe der jungen Hörer wächst – ein wesentliches Verdienst von Günter Müchler.

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Dirk Planert Dirk Planert, 40, RADIO 91.2, weil er bewiesen hat, dass auch Reporter kleiner Privatsender investigativ recherchieren können.

Das Lokalradio: Dudelfunk und nichts dahinter, so das landläufige Klischee. Dass investigative Recherche aber auch im privaten Lokalfunk prima funktioniert, hat Dirk Planert bewiesen. Er ist Reporter bei der Dortmunder Welle RADIO 91.2 und weil ihm sein Sender viel Zeit für gründliche Recherchen lässt, deckte er im April großen Schwindel im Dortmunder Rathaus auf: Im Müll einer Mitarbeiterin des Oberbürgermeisters fand er Belege über veruntreute Steuergelder. Planert hatte einen Scoop und die Stadt ihr "Dortmund-Gate".

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Jochen Rausch Jochen Rausch, 51, 1LIVE-Programmchef, weil er seinen Sender geschickt umbaute und dadurch Hörer gewann.

Jochen Rausch hat es geschafft, in einer Zeit, in der Musik- und Jugendprogramme Hörer verlieren, mit 1LIVE beträchtliche Marktanteile zu gewinnen – das Ergebnis eines sanften Umbaus der WDR-Welle. Die hat nun nämlich nicht nur eine neue, schicke Corporate Identity, sondern auch eine Reihe frischer, gut gemachter Magazine. Weil Rausch, seit 20 Jahren beim WDR, zudem mehr Wert auf journalistische Inhalte und einen höheren Wortanteil legt, konnte sein Sender auch ältere Hörer gewinnen.

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Klaus Walter Klaus Walter, 52, HR3, für seine popkulturellen Ansichten zu Musik, Sport und dem ganzen Rest.

Wer seit 23 Jahren die gleiche Radiosendung macht, ist entweder dort hängen geblieben oder verdammt gut. Im wöchentlich ausgestrahlten HR3-Dauerbrenner "Der Ball ist rund" stellt Klaus Walter seine Lieblingsmusik vor und gibt Ansichten zur Popkultur zum Besten. Dabei ist Walter Radiomoderator, DJ und Journalist in einem. Er beschränkt sich inzwischen nicht mehr auf ein Medium, auch in diversen Zeitungen und Musikmagazinen berichtet der passionierte Fußballfan und -spieler, was er über Sport und Popmusik zu sagen hat.

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Arnd Zeigler Arnd Zeigler, 42, RADIO BREMEN, für seine Radio-Comedy "Arnd Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs".

Der Stadionsprecher von Bundesligist Werder Bremen ist seit vielen Jahren ein fanatischer Sammler von Fußballer-O-Tönen, kuriosen Zitaten,witzigen Versprechern und misslungenen Kommentaren. Die zusammengetragenen Wortfetzen rührt er für die ARD einmal in der Woche zu einem höchst amüsanten, schmackhaften Drei-Minuten-O-Ton-Cocktail zusammen – sprachlich und stimmlich bisweilen groteske Fehlleistungen und Widersprüchlichkeiten von Fußball-Beschäftigten.

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Magazinjournalist des Jahres 2007


Christoph Amend Christoph Amend, 33, Redaktionsleiter ZEIT-MAGAZIN LEBEN, für die beste Magazin-Neueinführung des Jahres.

Als im Mai das ZEIT-MAGAZIN nach acht Jahren zurückkehrte, wünschte sich Christoph Amend, seine Leser sollten das Gefühl haben, das Magazin sei schon immer da gewesen. In der Tat, dank der zurückhaltenden Optik findet man sich im Heft leicht zurecht, freut sich über das überraschende Doppelcover, opulente Fotos in „Die Welt von Oben“, klasse Texte und darüber, dass der Altkanzler Helmut Schmidt in der schönen Letzte-Seite-Rubrik "Auf eine Zigarette" uns noch mal die Welt erklärt.

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Tyler Brûlé Tyler Brûlé, 39, MONOCLE, weil er die Idee globaler Lifestyle-Magazine konsequent weiterentwickelt und eines der lässigsten Magazine erfand.

Mit 26 Jahren ersann Brûlé WALLPAPER, eines der einflussreichsten Magazine der Neunzigerjahre und verkaufte das Heft, das den Lifestyle-Journalismus neu definierte, nach nur vier Ausgaben an Time Warner. Mit 33 zeichnete ihn die British Editors Society für sein Lebenswerk aus. Im Februar launchte Brulé MONOCLE und setzt damit mal wieder neue Maßstäbe. Das Heft richtet sich an die internationale Wirtschaftselite und setzt auf lässig-kühle Eleganz und unverbrauchte Themen. Stars sucht man hier vergeblich.

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Joachim Hentschel Joachim Hentschel, 37, ROLLING STONE, weil er über den Zirkus, der sich Musikindustrie nennt, das schreibt, was viele nur denken.

Immer hintergründig, ausführlich und über den Tellerrand der Genres schauend, so sind die Texte des Musikjournalisten Joachim Hentschel. Er schreibt nicht einfach Plattenkritiken, sondern sieht Werk und Künstler als Einheit und formuliert treffende Gesamtbewertungen. Die Skala reicht von großem Lob bis zu bitterbösem Verriss. Dabei bezieht er bisweilen auch die (Stachelschwein-)Frisur des Musikers (Bill Kaulitz) mit ein. Hentschel steht für eine neue, moderne Art des Musikjournalismus, nah an Künstler wie Leser.

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Thomas Kistner Thomas Kistner, 49, SZ-MAGAZIN, für seine detaillierte und schonungslose Aufdeckung des Tabuthemas Doping im Profifußball.

Wie mit einem Skalpell sezierte Thomas Kistner die Geschichte des Dopings im europäischen Fußball der letzten 50 Jahre. Von den Helden aus Bern bis zu vergötterten Topspielern von heute reicht dabei die Sünderkartei. Anhand manchmal schon mehrere Jahre alter Aussagen von Beobachtern und Beteiligten zeichnete Kistner ein neues, schmutziges Bild vom Fußball. Er hat ein Tabuthema im Volkssport Fußball aufgegriffen und sich auf die gefährliche Suche nach den Hintermännern begeben – das verdient große Anerkennung.

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Andreas Lebert Andreas Lebert, 53, Chefredakteur der BRIGITTE, weil er es als Mann schafft, eine interessante Frauenzeitschrift zu machen.

BRIGITTE steht seit über 50 Jahren an der Spitze der Frauenzeitschriften. Glaubwürdigkeit und Seriosität, Lebenshilfe statt Klatsch & Tratsch – seit fünf Jahren verantwortet Andreas Lebert den anhaltenden Erfolg des auflagenstärksten und bekanntesten Frauenmagazins. Das Heft lernte er zunächst als Ressortleiter kennen, ehe er zwischendurch das SZ-MAGAZIN gründete, JETZT und das ZEIT-Ressort "Leben" konzipierte. 2002 übernahm Lebert die BRIGITTE-Spitze, von der ihn auch der Misserfolg von Ableger BYM nicht vertreiben konnte.

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Thomas Niederste-Werbeck Thomas Niederste-Werbeck, 44, Chefredakteur von DOGS, weil er mit dem Hundemagazin sehr erfolgreich eine Marktnische erschlossen hat.

Es gehört schon ein gewisser Mut dazu, bei der Gruner+Jahr-internen „Redaktionellen Ideen Olympiade“ ein Hundemagazin vorzustellen. Thomas Niederste-Werbeck, damals Chefredakteur des Wohnmagazins DECORATION, war Anfang 2006 so kühn – und überzeugte die Verlagsmanager mit seinem Konzept, das auf hochwertige Fotos und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Vierbeinern setzt. DOGS startete als Experiment, erscheint inzwischen alle zwei Monate und hat mit einer Auflage von 52.000 Heften seine Nische erobert.

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Andreas Petzold Andreas Petzold, 52, PARK AVENUE, weil er das wackelige Personality-Magazin aufgerichtet und ihm Profil und Inhalt beschert hat.

Eigentlich ist Andreas Petzold Chefredakteur des STERNS. Doch weil es Alexander von Schönburg nicht gelang, der im Sommer 2005 eingeführten PARK AVENUE ein Gesicht zu geben, musste interimsweise der erfahrene Petzold ran. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, innerhalb eines Jahres hat er dem Personality-Blatt einen tragfähigen Inhalt verpasst. Das Feld für den neuen Chefredakteur Andreas Möller ist bestellt, Petzold mischt als Herausgeber bei PARK AVENUE aber weiter mit.

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Ulf Poschardt Ulf Poschardt, 40, Chefredakteur von VANITY FAIR, weil sein Heft den deutschen Magazinjournalismus belebt hat.

An VANITY FAIR und seinem Chefredakteur scheiden sich die Geister: Die einen finden das Magazin zu grell, angeberisch und irrelevant, die anderen originell, modern und zeitgeistig. Mag sein, dass VANITY FAIR nicht die von einigen erhoffte Revolution des deutschen Zeitschriftenmarkts ausgelöst und manche Erwartungen enttäuscht hat. Dennoch liefert Poschardts Mannschaft Woche für Woche ein gut gemachtes, buntes Heft zum Blättern und Stöbern. Eine klassische Illustrierte eben.

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Nicole Rüdiger Elke Kuhlen Nicole Rüdiger, 27, und Elke Kuhlen, 28, JUNGSHEFT und GIDDYHEFT, weil sie im Selbstverlag anspruchsvolle Pornomagazine machen.

Die beiden Kölnerinnen haben ein Faible für nackte Jungs. Keine Muskel-Machos, sondern normale Slacker-Typen mit hängenden Schultern und Bäuchlein. Weil es Magazine, die solche Kerle zeigen, bisher nicht gab, gründeten sie einfach ihr eigenes: das JUNGSHEFT mit Artikeln über die Lust der Frauen, Ausfluss im Höschen oder Dreiersex. Seit diesem Jahr gibt es nun auch das GIDDYHEFT, ein pfiffiges, geschmackvolles Pornoheft voller Frauen mit Orangenhaut und ohne Monsterbrüste.

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Ulrike Posche Ulrike Posche, 50, STERN-Autorin, für ihre großartigen, präzisen Porträts voll subtiler Ironie.

Posches Andrea-Nahles-Porträt war dieses Jahr ein Grund, mal wieder den STERN zu kaufen. Die Absolventin der Henri-Nannen-Schule ist eine der besten Porträt-Schreiberinnen des Landes, sie verfasste schon Biografien über Schröder, Kohl oder Liz Mohn. Posche kratzt nicht an der Oberfläche, sondern beobachtet präzise und tiefgründig. Ihre Fähigkeit zu geschliffener, subtiler Ironie macht ihre Texte zu Geschichten, die man sich herausreißt, aufhebt und nach ein paar Jahren noch mal liest.

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Zeitungsjournalist des Jahres 2007


Christoph Cuntz Christoph Cuntz, 48, WIESBADENER KURIER, weil der Reporter den Skandal um Aegis-Chef Aleksander Ruzicka aufdeckte.

52 Millionen Euro soll Aleksander Ruzicka, Geschäftsführer des Agentur-Giganten Aegis Media, veruntreut haben. Ein Politikum, denn auch Politiker sollen in die Affäre verwickelt sein. Dass nach und nach immer mehr schmutzige Details des großen Betrugs öffentlich wurden, ist ein Verdienst von Lokalreporter Christoph Cuntz. Den Enthüllungs-Scoop und die bundesweite Auf¬merksamkeit, die er dem WIESBADENER KURIER bescherte, hat er sich mit seinen gründlichen Recherchen redlich verdient.

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Walter Mayer Walter Mayer, 48, weil er mit der B.Z. einen Neuanfang wagte und sie zu einer zeitgemäßen, lässigen Boulevardzeitung gemacht hat.

Walter Mayer kennt sich mit Boulevard bestens aus. Wer schon stellvertretender Chefredakteur bei der BILD war, weiß, wie der Hase läuft. Bei der B.Z. entrümpelte er das Design, erneuerte die Struktur und trimmte das Blatt auf Unterhaltung für den kleinen Mann. Das Rezept ging auf, die schwindenden Auflagen stiegen wieder. Damit hat sich Mayer den Titel "Vielversprechendster Boulevardzeitungsmacher" verdient. Die generalüberholte B.Z. auf Kurs zu halten, wird ihn nicht lange ausfüllen. Auf diesen Mann warten höhere Aufgaben.

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Bascha Mika Bascha Mika, 53, weil sie sich immer noch auf dem Schleudersitz einer TAZ-Chefredakteurin hält und das Blatt stets weiterentwickelt.

Noch immer hält sie den Rekord. Ihre Vorgänger auf dem Chefredakteursposten hielten sich nie länger als ein paar Monate, Bascha Mika ist dort schon seit acht Jahren. Aufgrund ihrer Entwicklungsgeschichte ist die TAZ keine einfach zu führende Zeitung, übliche Strukturen und ein vorgegebener Weg fehlten. Doch seit die 53-Jährige das Ruder übernahm, ging es bergauf mit der Zeitung. Mit ihrem Führungsstil und neuen Ideen schaffte sie es, aus einem links-alternativen Spaßblatt eine ernstzunehmende Zeitung zu entwickeln.

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Heribert Prantl Heribert Prantl, 54, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, weil er mit meinungsfreudigen Kommentaren zur Online-Überwachung die Politik aufgemischt hat.

Heribert Prantls Kommentare zur Innenpolitik sind engagiert, sachkundig und pointiert. Der Ressortleiter Innenpolitik unterwirft sich keinen Trends und bleibt seiner liberalen Haltung treu. Prantl, der selbst Richter war, bevor er 1988 als politischer Redakteur zur SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG ging, hält dem Rechtsstaat und Innenminister Schäuble ("Minister Dr. Wolfgang Maßlos") vor, sich dem Monstrum Terrorismus zum Fraß vorzuwerfen - und das unter dem Vorwand, die Bürger schützen zu wollen.

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Peter Richter Peter Richter, 34, für seine Kolumne "Blühende Landschaften" in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG.

So bissig kann die deutsche Einheit sein: Peter Richter liefert mit seiner Glosse "Blühende Landschaften" jeden Sonntag eine schlaue Heimatkunde ost- und westdeutscher Klischees. "Man muss in den Westen gehen, damit man zum Ossi wird", schrieb er einmal. Der Dresdener Schriftsteller und Journalist hat eine erfrischend respektlose Haltung gegenüber diesem unseren Land kultiviert, die so gar nichts Quengeliges hat und sich von keinen Ideologien und modischen Meinungen vereinnahmen lässt.

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Birgit Schönau Birgit Schönau, 41, für ihre wunderbaren Reportagen aus Italien in SÜDDEUTSCHE ZEITUNG und ZEIT.
Wer die Italien-Reportagen von Birgit Schönau liest, der spürt sogleich: Die kennt das Land, die liebt das Land. Seit 1992 lebt und arbeitet die freie Korrespondentin in Rom, schreibt genauso kenntnisreich und spitzzüngig über das Spektakel des italienischen Fußballs – den mythenreichen „Calcio“ – wie über verkorkste Politik, das Neapel im Zeichen der Camorra oder das brummende Leben auf den Plätzen italienischer Städte. Texte von großer Leichtigkeit, aber niemals oberflächlich und klischeetriefend.

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Franz Sommerfeld Franz Sommerfeld, 58, Chefredakteur des KÖLNER STADT-ANZEIGERS, weil er den PR-Schmu des Wirtschaftsministeriums öffentlich machte.

Das Bundeswirtschaftsministerium bot dem KÖLNER STADT-ANZEIGER im August über seine Werbeagentur an, bezahlte Anzeigen zu schalten – wenn im Gegenzug die PR-Veranstaltungsreihe „Dialogtour, Impulse für Wachstum“ umfangreich redaktionell gewürdigt wird. 30.000 bis 40.000 Euro wären der Agentur gekaufte Inhalte wert gewesen. Leider keine ungewöhnliche Praxis. Umso löblicher, dass Franz Sommerfeld, seit 2000 Chefredakteur der Zeitung, entschied, das unmoralische Angebot abzulehnen und öffentlich zu machen.

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Theo Sommer Theo Sommer, 67, weil er mit THE GERMAN TIMES und THE ATLANTIC TIMES ausländischen Meinungsführern Deutschland nahebringt.

Deutschland nahebringtDer frühere ZEIT-Chefredakteur setzt sich mit den repräsentativen Monatsblättern GERMAN TIMES und ATLANTIC TIMES zum Ziel, Meinungsführern in den USA und ganz Europa eine deutsche Sicht der Dinge näherzubringen. Dass diese Aufgabe in Zeiten von Globalisierung und nationalen Inter-essenkonflikten manchmal keine leichte ist, ist selbstverständlich. Aber wer sollte das schaffen, wenn nicht der erfahrene Publizist Sommer, der schon in Harvard lehrte und seit jeher transatlantisch denkt.

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Uwe Vorkötter Uwe Vorkötter, 53, Chefredakteur der FRANKFURTER RUNDSCHAU, für den mutigen und gelungenen Relaunch im Tabloid-Format.

Aus Groß mach Klein, mach wieder Groß: Uwe Vorkötter schrumpfte seine Zeitung, damit die Auflage künftig wieder wächst. Eine nötige wie mutige Tat. Ein eingeführtes Blatt mit "strukturkonservativer" (Vorkötter) Stammleserschaft auf das hierzulande ungewohnte Tabloid-Format umzustellen, ist kein geringes Wagnis. Das Ergebnis kann sich allerdings sehen lassen; das neue, schnittige Format lockt junge Leser, die Zeitung hat sich aus ihrer Erstarrung befreit und ist meinungsfreudiger und lesenswerter geworden.

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Willi Winkler Willi Winkler, 50, weil er mit seinen zahlreichen Beiträgen Geschichte und Geschehen zu einer erlebbaren Einheit bringt.

Ein Buch über die RAF, Artikel über die amerikanische Hippiekultur oder ein Interview mit Simpsons-Schöpfer Matt Groening. Alles, was die Welt popkulturell bewegt, ist Winklers Metier. Virtuos bringt der 50-Jährige die vielfältigsten Themen unterhaltsam und erschöpfend zu Papier. Ihm gelingt es, sogar in auf den ersten Blick banal erscheinenden Inhalten noch gesellschaftskritische Aspekte zu entdecken. Dabei vertritt er auch unpopuläre Meinungen vehement gegen alle Kritiker.

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Onlinejournalist des Jahres 2007


Jörg Buschka Jan Vogel Jörg Buschka, 36, und Jan Vogel, 27, für ihren erfrischenden Video-Reportagen-Blog BUSCHKA ENTDECKT DEUTSCHLAND – mehr als Klischees.

Das Wiesbadener Zwei-Mann-Filmteam, bestehend aus dem freien Journalisten Buschka und Medienwirt Vogel, fährt alle paar Wochen in eine andere deutsche Stadt und dreht herrlich improvisierte Stegreif-Reportagen. Buschka fragt sich frech und direkt durch Fußgängerzonen in Fulda, Trier oder Bad Kissingen und kommentiert mal klug, mal unerhört albern, was er sieht. So entstehen ganz unkonventionelle, herzliche Porträts der Städte und ihrer Bewohner, die ohne Klischees auskommen und komplett anders funktionieren als herkömmliche TV-Reportagen. 4

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Mercedes Bunz Mercedes Bunz, 36, Chefredakteurin von TAGESSPIEGEL ONLINE, weil sie dem Blatt einen der modernsten Online-Auftritte verpasst hat.

Dass Mercedes Bunz, vormals Chefredakteurin der Elektro-Avantgarde-Zeitschrift DE:BUG und des Berliner Stadtmagazins ZITTY, zur neuen TAGESSPIEGEL-ONLINE-Chefin berufen wurde, war eine unkonventionelle Entscheidung. Und vor allem eine richtige. Bunz, die zur Geschichte des Internets promovierte, hat dem TAGESSPIEGEL den wahrscheinlich frischesten Online-Auftritt beschert: schick-schlichtes Design, breites New-Yorker-Layout, eine klare Aufteilung, dazu auch mal verspielte Texte, die Abseitiges aufgreifen.

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Dirk von Gehlen Dirk von Gehlen, 32, JETZT.DE, weil er zeigt, wie man ein Magazin, das im Print nicht überleben konnte, kongenial ins Netz überträgt.

Lange bevor die Begriffe Web 2.0 und Interaktivität zu Modewörtern wurden, gab es auf JETZT.DE schon Communitys, Blogs und Mitmachjournalismus. Redaktionsleiter irk von Gehlen setzte im Netz das um, was als Printmagazin nicht funktionieren konnte.Die Zielgruppe hat sich online selbst gefunden, junge, neugierige Menschen, die Fragen aufwerfen, an Inhalten mitarbeiten und mehr wissen wollen. Für sie ist die Seite manchmal ein bisschen wie ein Zuhause. Nicht alle 2.0-Ableger werden den Hype überleben, Pionier JETZT.DE bestimmt.

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Patrick Gensing Patrick Gensing, 33, weil er mit seinem NPD-BLOG.INFO im braunen Schmutz wühlt, was nach wie vor eine sehr wichtige Aufgabe ist.

Niemand sonst, der nicht Teil der rechten Szene ist, blickt so tief in den braunen Sumpf wie Patrick Gensing. Eigentlich ist er "Tagesschau"-Redakteur, doch hört für ihn die Arbeit nicht auf, wenn er nach Hause kommt. Dann widmet er sich der Aufklärung im rechten Milieu, beobachtet, recherchiert nach und veröffentlicht alles in seinem Blog. Gensing verzettelt sich nicht in Empörungs-Gesülze, das Wichtigste ist für ihn, einfach sachlich zu informieren. Denn Aufklärung allein disqualifiziert rechte Propaganda.

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Hans-Jürgen Jakobs Hans-Jürgen Jakobs, 51, Chefredakteur von SÜDDEUTSCHE.DE, weil die SZ dank ihm endlich eine konkurrenzfähige Webseite hat.

Als sich Hans-Jürgen Jakobs zu Beginn des Jahres mit einer 25-köpfigen Redaktion daran machte, den Webauftritt der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG aufzupolieren, war der Start holprig. Doch mittlerweile brummt die Seite und holt auf den ewigen Marktführer SPIEGEL ONLINE auf. Jakobs, früher Medien-Redakteur beim SPIEGEL und bei der SÜDDEUTSCHEN, denkt wie ein klassischer Journalist, weiß, wie Online funktioniert, und überlädt die Seite nicht mit interaktivem Schnickschnack.

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Christoph Keese Christoph Keese, 43, WELT ONLINE, weil er das Motto "Online first" in Deutschland redaktionsfähig machte.

Der Vorsitzende der Chefredakteursrunde von WELT AM SONNTAG, WELT und BERLINER MORGENPOST sowie Chefredakteur von WELT ONLINE zeichnete bei Springer in Berlin für den Aufbau und die Leitung des neuen, großen Newsrooms verantwortlich. Seitdem heißt es für die "Blaue Gruppe" strikt: "Online first", alle Nachrichten zuerst ins Internet. Manche kritisieren das Konzept und sehen darin sogar einen Fehlschlag. Doch Axel Springer verfolgt konsequenter als viele andere die Online-Strategie – mit allen Vor- und Nachteilen.

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Matthias Matussek Matthias Matussek, 53, für seinen herrlich verschrobenen Video-Blog "Matusseks Kulturtipp" auf SPIEGEL ONLINE.

Mitte Oktober inszenierte der SPIEGEL-Kulturchef anlässlich der 50. Ausgabe seines Video-Blogs eine grandios überdrehte Gala für sich selbst. Matussek zappelte hypernervös hinter einem Vorhang herum und fragte sich, wo bloß der „alte Schirrmacher“ – der Running Gag der kurzen Filmchen – bleibt. Total gaga und deshalb allerfeinste Unterhaltung. Mit aufgeknüpftem Hemd, viel Selbstironie und Peter-Lustig-Charme ist Matussek der lässigste Blogger Deutschlands. Keep on rockin!

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Mathias Müller von Blumencron Mathias Müller von Blumencron, 47, Chefredakteur von SPIEGEL ONLINE, weil seine Seite für Deutschlands stärksten Online-Journalismus steht.

Es gab Zeiten, da haben die Redakteure vom Print-SPIEGEL mit gerümpfter Nase auf ihre Kollegen in der Online-Redaktion herabgeblickt. Alles Schnee von gestern, weil Mathias Müller von Blumencron, früher selbst SPIEGEL-Redakteur, SPIEGEL ONLINE zu einem Leitmedium, einer Marke wie Coca-Cola aufgebaut hat und dicke schwarze Zahlen schreibt. Mit der neuen Zeitgeschichte-Plattform EINESTAGES hat Müller von Blumencron zudem vorgemacht, wie man auf intelligente Weise Leser einbindet.

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Alan Posener Alan Posener, 58, WELT ONLINE, für seine Kommentar-Regentschaft, mit der er sich an keine Konventionen hält und auch intern aneckt.

Posener steht als Kommentarchef der WELT AM SONNTAG für handfeste Meinungen, die nicht im Mainstream schwimmen. Und sein WELT-ONLINE-Blog "Apocalypso" hat zwar zahlreiche Anhänger, doch die Menschen, über die er voller Ironie und Polemik schreibt, kann er danach nicht mehr zu seinen Fans zählen. Kai Diekmann zum Beispiel. Für seine 68er-Schelte bekam der BILD-Chef von Posener eine schallende Ohrfeige. Im Verlag kam die Abwatsche gar nicht gut an, flugs wurde die "Entgleisung" (Springer) gelöscht.

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Frank Thomsen Frank Thomsen, 42, Chefredakteur von STERN.DE, weil er dem STERN einen angemessenen Internet-Auftritt verpasst hat.

DSTERN.DE – das war bis vor kurzem noch ein bedeutungsloser, lieblos zusammengestellter Online-Meldungsmischmasch. Bis sich Gruner+Jahr entschloss, einen erfahrenen Journalisten als Chefredakteur zu installieren: Frank Thomsen, vormals Ressortleiter Wirtschaft und Medien bei Mutterblatt STERN. Klar, Marktführer SPIEGEL ONLINE ist zwar noch längst nicht in Sichtweite, doch Thomsen krempelt angriffslustig die Ärmel hoch, hat eine angemessene Redaktion aufgebaut, die Seite entrümpelt und gute, neue Ideen angestoßen.

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Newcomer des Jahres 2007


Robin Alexander Robin Alexander, 32, für seine originellen und klugen Stücke – früher in der TAZ, jetzt in VANITY FAIR.

Ob Still-Mafia und Mütterpolizei, die Flick-Connection in Berlin, das Jammertal Gelsenkirchen oder Fremdenfeindlichkeit im linksliberalen Milieu – Robin Alexander packt ungewöhnliche Themen kritisch-hintergründig an, beobachtet genau und hat einen klaren, humorvollen Stil. Er brachte Reportagen aus südafrikanischen Townships, aus Namibia und Israel mit, war Politikredakteur und Kolumnist der TAZ. Kein Wunder, dass Ulf Poschardt das begehrte Talent unbedingt wollte und als Agenda-Redakteur zu VANITY FAIR holte.

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Katarina Bader Katarina Bader, 28, JETZT.DE, für "Herr Hronowski und ich", eine Geschichte über die Freundschaft mit einem Auschwitz-Überlebenden.

Es gibt nicht viele Texte, die einen von der ersten bis zur letzten Zeile fesseln. "Herr Hronowski und ich" von Katarina Bader ist eines dieser berührenden Stücke, die in leisen Tönen erzählen und den Leser nicht mehr loslassen. Es handelt von der Freundschaft der deutschen Schülerin Katarina mit dem polnischen Auschwitz-Überlebenden Jurek. Eine Geschichte vom Erwachsenwerden und dem Konflikt zwischen den Generationen, von Nähe und Distanz, von Schuld und Versöhnung und vom Weiterleben nach dem Holocaust.

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Patrick Bauer Patrick Bauer, 23, NEON, weil er die unbequemen Themen rechte Gewalt und Sterbehilfe in einem fesselnden Porträt zusammenführte.

Wer Patrick Bauers Stück "Ich will sterben" liest, glaubt, dass der Autor den durch einen rassistischen Übergriff querschnittsgelähmten Noël Martin schon viele Jahre kennt. Die tiefe Intimität und die Detailliertheit, mit der Bauer Martins Drama erzählt, beeindrucken. Er lässt mit großer Unaufgeregtheit und Intensität den Leser teilhaben an dem berührenden Schicksal, Martins Kampf gegen rechte Gewalt und seinem letzten Wunsch, in Würde zu sterben. Bauer wagte sich mit der Geschichte auf unbequemes Terrain. Gut so.

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Bruce Darnell Bruce Darnell, 50, er machte Models Beine und wurde eines der bekanntesten Fernsehgesichter – jetzt bekommt er eine eigene ARD-Show.

Der Mann hat einen rasanten Aufstieg hinter sich: Bei der PROSIEBEN-Casting-Show "Germany's Next Topmodel" war Laufsteg-Coach Darnell der heimliche Star, der Heidi Klum die Show stahl. Es waren seine Gefühlsausbrüche, Tränen und ungewöhnlichen Tipps ("Die Handetasche muss lebendisch sein"), nicht nur die Kandidatinnen, die ein Millionenpublikum vor den Bildschirm lockten. Sein eigenwilliger Charme überzeugte auch die ARD: Der Amerikaner bekommt im ERSTEN eine eigene Vorabendshow.

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Lara Fritzsche Lara Fritzsche, 23, DIE ZEIT, weil sie ein exzellentes Gespür für Themen hat und Reportagen schreibt, die jeder liest.

Fritzsches Gespür für Themen und ihr Schreibtalent heben sie aus der Masse der Jungjournalisten hervor. Die 23-Jährige schreibt über Berliner Geheim-Partys, Koma-Saufen oder die Probleme der Mädchen ihrer Generation und traut sich dabei auch an Tabuthemen, etwa Magersucht, heran. Kein Wunder, dass ihre Reportagen so begehrt sind. Inzwischen schreibt Fritzsche nicht nur für den KÖLNER STADT-ANZEIGER, wo sie volontierte, sondern immer häufiger auch für ZEIT und ZEIT- MAGAZIN LEBEN.

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Dunya Hayali Dunya Hayali, 33, ZDF-Nachrichtenmoderatorin, die sich in kurzer Zeit bei "heute" und "heute journal" einen Namen gemacht hat.

Anfang des Jahres kannte noch niemand ihr Gesicht. Dunja Hayali, die als Tochter irakischer Eltern im Ruhrgebiet geboren wurde, ist die erste Moderatorin einer öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendung mit nichtdeutschen Eltern. Doch Hayali, die ihre Karriere als Sportmoderatorin begann, hat mehr als einen Migrationshintergrund zu bieten: Kompetent, erfrischend und sympathisch moderiert sie seit April die Nachrichten in Mainz und seit Oktober auch das "ZDF-Morgenmagazin".

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Philipp Oehmke Philipp Oehmke, 33, DER SPIEGEL, weil seine Texte dem Hamburger Magazin verloren gegangenen Zeitgeist zurückgebracht haben.

Ganz sicher, Philipp Oehmke wird als Autorenname schon bald ein Markenzeichen sein, eines, das man als SPIEGEL-Leser im Heft sucht. Schon beim SZ-MAGAZIN lieferte Oehmke spektakuläre Reportagen, etwa über die kalabresische Mafia. Matthias Matussek holte den einstigen TEMPO-Volontär Anfang des Jahres von München nach Hamburg. Dem SPIEGEL tut Oehmke gut, dort liest man neuerdings über Künstler, Bands und Bücher, die das betuliche Kulturressort ohne ihn vielleicht übersehen hätte. Bemerkenswert auch das RAF-like-Foto.

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Philip Oltermann Philip Oltermann, 26, für seine witzigen, intelligenten Berichte über den englischen Fußball auf SPIEGEL ONLINE.

Wie fühlt es sich an, bei einem Länderspiel als deutscher Fan im englischen Block zu stehen, fragte sich Oltermann und machte den Selbstversuch. Das Ergebnis: „Magenschmerzen und geschmacklose SMS“ und ein sehr schöner, humorvoller Text. Und nicht sein einziger: Oltermann, der in London lebt und als freier Journalist und Literaturkritiker unter anderem für TIMES, INDEPENDENT und GUARDIAN schreibt, berichtet regelmäßig und ohne aufgewärmte Klischees über das ganz spezielle deutsch-englische Fußballverhältnis.

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Ulrich Schulte Ulrich Schulte, 33, weil er in der TAZ trotz oder gerade wegen des Hypes um Eisbär Knut ein Herz für Hirscheber Jürgen zeigte.

Er ist der Anti-Knut, weder flauschig noch süß, geschweige denn kuschelig. Hirscheber Jürgen sieht eher aus wie eine Kreuzung aus Wildschwein und Ork. Doch auch hässliche Tiere haben es verdient, dass über sie geschrieben wird. Fand zumindest TAZ-Lokalreporter Ulrich Schulte und widmete dem Hirscheber mehrere Artikel. Damit traf er in der Eisbär-verrückten Hauptstadt einen Nerv. Die Zahl der Fans und Besucher von Knut-Nachbar Jürgen wuchs rasant. So schön kann es sein, gegen den Mainstream anzuschreiben.

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Anne Siemens Anne Siemens, 33, weil sie in der Aufarbeitung der RAF-Geschichte eine neue, wichtige Perspektive auftat.

Fast drei Jahrzehnte lang ging es bei der Aufarbeitung der RAF-Geschichte immer nur um die Täter und deren direkte Opfer. Doch Anne Siemens suchte für ihr Buch "Für die RAF war er das System, für mich der Vater" Menschen auf, die zwar selbst keine Kugel traf, die aber trotzdem noch immer leiden. Frauen und Kinder, die Hinterbliebenen der Terroropfer. Abseits eingefahrener politischer Sichtweisen schildert Siemens, wie folgenschwer die Anschläge der RAF für normale Bürger, nicht "Repräsentanten des Systems", waren.

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