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Begründung


Fernsehjournalist des Jahres 2006


foto foto Götz Alsmann, 49, und Christine Westermann, 57, für zehn Jahre Chaos-Unterhaltung in ihrer WDR-Sendung "Zimmer frei!"

Eigentlich waren Götz Alsmann und Christine Westermann als Sommerlückenfüller geplant, als sie 1996 mit "Zimmer frei!" im WDR starteten. Mitt-lerweile sind die beiden jedoch bereits im zehnten Jahr und suchen immer noch einen Mitbewohner für ihre Fernseh-WG. Westermann gibt beim Bewerbungsgespräch die Journalistin, während Alsmann der scheinbar unbeteiligte Musiker ist, der aber im entscheidenden Moment böse Fragen stellt. Und dieses geniale Showkonzept ist kein Plagiat aus England. Alles selbst erfunden!

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foto Gero von Boehm, 52, für die besten Interviews im deutschen Fernsehen bei 3SAT und spektakuläre Wissenschafts-Dokumentationen.

Charlotte Rampling, John Malkovich, Hape Kerkeling, Klaus Maria Brandauer, Hans Magnus Enzensberger, Martina Gedeck - wer das Glück hatte, im vergangenen Jahr von Gero von Boehm interviewt zu werden, der hatte auch selbst etwas davon. Denn die Gespräche des Journalisten und Filmemachers sind intensiv wie Psychoanalyse-Sitzungen. Zu Hilfe kommt von Boehm dabei seine Ausstrahlung als universalgebildeter und sensibler Kosmopolit. So viel Geist im Fernsehen - wer würde es für möglich halten?

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foto Sabine Christiansen, 49, weil sie ihren Talk zur zentralen politischen Bühne der Republik gemacht und ihn jahrelang an der Spitze gehalten hat.

"Sabine Christiansen" war auch deswegen der Traum jedes Verriss-Experten, weil offenbar jeder Journalist dachte, er könne es besser. Dass es in Wahrheit einer der schwierigsten Jobs ist, eine einigermaßen ernsthafte Diskussion über ernsthafte Themen zu organisieren, wissen viele von Christiansens scheiternden Kollegen in den Dritten oder bei PHOENIX. Ihre große Ära waren die Schröder-Jahre. Darum kommt der Rückzug zur richtigen Zeit. Manchmal ist es eben so, dass man etwas erst vermisst, wenn es nicht mehr da ist.

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foto Barbara Eligmann, 43, weil sie in "Zuhause sind die Teufel los" humorvoll und einfühlsam mit Kindern Gaga-Wohnideen umsetzte.

Sie war die Frau, die bei "RTL Explosiv" immer so streng guckte. Dann kam die Kinderpause und ein Senderwechsel. Seit Barbara Eligmann mit Wigald Boning bei SAT.1 die Wissenschafts-Show "Clever!" moderiert, ist sie auf einmal nett. 2006 machte sie mit "Zuhause sind die Teufel los" eine anarchische, böse und dabei herzliche Sendung: Handwerker bauten ganze Häuser nach den Vorstellungen von Kindern um - Schneelandschaft im Wohnzimmer, Elternschlafzimmer ein Kerker, Sofas mit Marshmallows bespannt. Es war toll.

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foto Anke Hlauschka, 58, die mit "Quergefragt" beweist, dass anspruchsvoller Polittalk auch im Dritten Programm funktioniert.

Kardinal Lehmann und Gregor Gysi gemeinsam auf einem Sofa im Dialog über die Kirche - so etwas passiert bei "Quergefragt". Hlauschka moderiert abwechselnd mit Birgit Wentzien-Ziegler den Polittalk auf dem SWR und beweist mit dem anspruchsvollen Format, dass die Dritten Programme in dieser Sparte keine Vergleiche zu scheuen brauchen. Durch ihre geschickte Gesprächführung entstehen immer wieder interessante Diskussionen, die sich vom Talk-Mainstream absetzen - wahrhaft "quer" eben.

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foto Theo Koll, 48, für die Redaktion von "Frontal 21", dem modernsten und kritischsten politischen Magazin im deutschen Fernsehen.

Der Mann sieht aus wie ein Streber - aber einer, der abschreiben lässt. So distanziert und seriös die gern etwas ironische Moderation von Theo Koll, so klar und direkt sind die Beiträge von "Frontal 21". Während die ARD seinen politischen Magazinen die Sendezeit kürzt und es nicht schafft, eine einheitliche Marke zu etablieren, ist "Frontal 21" modernes Fernsehen, ohne dass die Inhalte leiden. Im Gegenteil: Medizin- und Versicherungsskandale, Doping im Radsport, Missstände in Wirtschaft, Politik, Kultur - "Frontal 21" klärt auf.

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 Katrin Sandmann, 40, für ihre fundierten Berichte aus den Krisengebieten des Nahen Ostens für SAT.1 und N24.

Katrin Sandmann ist die Expertin für den Nahen Osten bei ProSiebenSat.1. Immer wenn es in Bagdad oder Beirut kriselt, ist sie vor Ort und berichtet bestens informiert über die aktuellen Meldungen von vorderster Front. Als Krisenreporterin besitzt Sandmann mittlerweile sieben Jahre Erfahrung. Ihren ersten Einsatz hatte sie 1999 im Jugoslawienkrieg, als sie für den inhaftierten Kollegen Pit Schnitzler einsprang. Ihre Aufgabe bewältigt sie immer mit vollem Einsatz - aus Bagdad musste man sie einmal zur Ausreise zwingen.

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 Jürgen Klopp, 39, Urs Meier, 47, Johannes B. Kerner, 42, ZDF, für ihre TV-Berichterstattung während der Fußballweltmeisterschaft.

Durch die Moderationen der ZDF-Boygroup Kerner/Klopp/Meier wehte mächtig der WM-Geist. Klopp war die Entdeckung unter den TV-Experten, stellte alle TV-Profis ins Abseits. Mit seinen spontanen Kommentaren war er das Sprachrohr der kollektiven Schwarz-Rot-Geilheit: Denk-Pass, Rede-Schuss, Tor! Kerner ließ den Mainzer uneitel von der Leine und sogar der sonst eher spröde Eidgenosse Meier lockerte sich während der WM zusehends. Im direkten Vergleich mit der Konkurrenz von ARD und RTL war das ZDF-Trio klarer Sieger.

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 Hajo Seppelt, 43, für seine kritische Sport-Berichterstattung und seinen einsamen Kampf als Doping-Kritiker bei der ARD.

Lange Zeit war Doping-Experte Seppelt in der ARD nicht gefragt. Nachdem er in einer E-Mail beklagte, dass Doping-Themen nicht auf Interesse im Sender stießen, erfolgte mit seiner Absetzung als Schwimmreporter sogar die Verbannung aus seinem anderen Spezialgebiet. Nach der Dopingtour in Frankreich hat sich das Blatt gewendet, und alle Kollegen wollen nun so arbeiten, wie Seppelt es schon immer getan hat. Kritischer Sportjournalismus ist plötzlich wieder angesagt bei der ARD. Und Seppelt wieder obenauf.

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foto Sönke Wortmann , 47, für seinen Film "Deutschland. Ein Sommermärchen". Gänsehaut pur und ein einmaliges Dokument. Näher geht nicht.

Sönke Wortmann hat uns Fans nicht enttäuscht und den Traumsommer festgehalten. Zwei Stunden WM-Gefühl pur. Eine Romantik-Dokumentation mit einmaligen Bildern und intimen Einblicken in den engsten Kreis der Nationalmannschaft. Nun fiebern alle der DVD entgegen, denn hier kann Wortmann dank Bonusmaterial noch einmal richtig zeigen, was alles im Schlosshotel los war. Vielleicht bastelt er ja auch ein alternatives Ende mit Michael Ballack samt WM-Trophäe im Berliner Olympiastadion.

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Radiojournalist der Jahres 2006


foto Ulrike Ebenbeck, 40, Redaktionsleiterin des ZÜNDFUNKS, weil sie 30 Jahre Qualitätsfunk nicht einfach aufgeben will.

Das Alter hört man ihm nicht an: 1974 geboren, sendet der ZÜNDFUNK immer noch täglich knapp zweieinhalb Stunden lang eine anspruchsvolle, aktuelle Mischung aus Musik und Wort. Auch das populäre Festival "Bavarian Open" wird jährlich von den Radiomachern ausgerichtet. Doch das Ende scheint nahe: der BR plant, den ZÜNDFUNK im "ersten multimedialen Jugendradio Bayerns" aufgehen zu lassen. Ulrike Ebenbeck jedoch versucht eisern, in Verhandlung mit dem BR möglichst viel vom ursprünglichen ZÜNDFUNK zu retten.

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foto Prof. Ernst Elitz, 65, Intendant des DEUTSCHLANDRADIOS, weil er mit seinem Kultur-Sender sämtliche Generationen vors Radio holt.

In Zeiten des nervigen Dudelfunks auf allen Frequenzen hat Ernst Elitz mit dem DEUTSCHLANDRADIO KULTUR eine Oase im deutschen Hörfunk geschaffen. Der Erfolg gibt ihm Recht und zeigt, dass sich immer mehr Hörer nach seriösem, glaubwürdigem und anspruchsvollem Hörfunk mit hohem Anteil an Wortbeiträgen sehnen. Elitz kommt diesem Wunsch gerne nach und versorgt die Hörer mit einem breit gefächerten Qualitätsprogramm, das in Deutschland immer noch einzigartig ist.

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foto Klaus Fiehe, 49, Musikjournalist bei EINS LIVE, für die erhellenden Moderationen seiner wöchentlichen Musik-Sendung "Raum und Zeit".

Klaus Fiehe ist begnadeter Musikjournalist, der John Peel Deutschlands: Er reiht nicht einfach Platten aneinander, sondern erzählt Geschichten mit Musik. Als dienstältester Moderator bei EINS LIVE ist er mittlerweile die Institution des Senders und immer jeden späten Sonntagabend mit seiner Sendung "Raum und Zeit" zu hören. Er spielt dort alte Schätze und wegweisende neue Tracks, die er selbst aus seiner persönlichen - nach eigenen Angaben 40.000 Exemplare umfassenden - Plattensammlung mitbringt.

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foto Günter Koch, 64, BR, für 29 Jahre als unverwechselbare Stimme allsamstäglicher Bundesliga-Dramatik im Radio. Wir rufen Günter Koch!

Günter Koch war als Fußball-Radioreporter 29 Jahre lang fester Bestandteil der Samstagnachmittage vieler Bundesliga-Fans. Aus den berühmten Schlusskonferenzen stach Kochs feuriger Kommentar stets heraus, keiner litt oder freute sich so kolossal schön wie Koch mit seinen "Clubberern" (dem 1.FC Nürnberg). Als er erfuhr, dass die ARD auf seine Stimme während der Weltmeisterschaft verzichten würde, erklärte er kurzerhand seinen Abschied. Nun kommentiert er auf ARENA Fußball erstmals für ein Fernsehpublikum.

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foto Bettina Rust, 39, für ihre unvergleichlich gute Sonntagnachmittag-Interviewsendung "Hörbar Rust" bei RADIO EINS (RBB).

Ein gutes Interview ist kein Interview, sondern ein Gespräch. Bettina Rust führt jeden Sonntag Gespräche mit prominenten Menschen - einfühlsam, lustig, ehrlich. Heraus kommen überraschende Porträts von Leuten, von denen man meist dachte, man würde sie schon besser kennen, als einem lieb ist. Bundesweit bekannt wurde sie mit einem Desaster: Vielleicht war Bettina Rust nur zur falschen Zeit am falschen Ort als sie 2005 mit "Talk der Woche" bei SAT.1 grandios scheiterte. Und zum Glück blieb sie wenigstens dem Radio erhalten.

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foto Georg Schwarte, 39, USA-Korrespondent im NDR/WDR-Hörfunkstudio in Washington, für seine lebhaften Berichte aus Amerika.

Georg Schwarte hat eine ganz eigene Art, Geschichten aus dem großen Land auf der anderen Seite des großen Teichs zu erzählen. Etwas lakonisch, immer genau beobachtet und bildhaft formuliert. Er ist ein guter Reporter, ein geschmackssicherer und amüsanter Glossist und auch im Live-Gespräch präzise und locker. Dazu macht er richtiges Radio, das heißt, er arbeitet mit O-Tönen genauso wie mit Atmosphäre und Musik. Schwarte schafft - und man entschuldige diesen ausgelutschten Ausdruck - "Kino im Kopf".

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foto foto Uwe Schneider, 42, und Uly Köhler, 51, von RADIO TEDDY, weil sie beweisen, dass privates Kinderradio funktioniert und Spaß macht.

Einen Privatsender für Kinder, also eine nicht werberelevante, dafür umso kritischere Zielgruppe zu starten, ist mutig. Doch das Konzept, mit dem der Potsdamer Sender vor gut einem Jahr an den Start ging, hat sich bewährt, die Welle ihre Nische besetzt. Morgens begleitet RADIO TEDDY Eltern und Kinder auf dem Weg zur Schule, am Nachmittag läuft die "Elternfreie Zone" und abends kommen Ratgebermagazine für Eltern. Kinder hören bei TEDDY aber nicht nur zu: Als Reporter oder Moderatoren machen sie ihr Programm selbst.

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foto Max Spallek, 38, Moderator der "pop-agenten" auf RADIO FRITZ. Mehr Freaktum und Leidenschaft für neue Musik gibt es kaum ein zweites Mal.

Max Spallek war der Retter aller Berliner Nachwuchsbands. Bis zu seinem Abschied in diesem Sommer moderierte er die Sendung "popagenten" auf RADIO FRITZ und begab sich auf Entdeckungsreisen in Berlins Musikszene. Bei Spallek gab es ausschließlich Musik vertragsloser Bands, die ihm zuvor ein Demoband geschickt hatten. Bands wie Mia und Virginia Jetzt! hatten so ihren ersten Auftritt im Radio. Mittlerweile moderiert Ole Stührmann die beliebte Sendung, denn Spallek hat sich für eine Pause verabschiedet.

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wdr logo Der WDR, weil der Sender trotz Podolskis Interview-Boykott seine Comedy "Lukas' Tagebuch" fortsetzte und Haltung zeigte.

Mit einer Unterlassungsklage und einem Interview-Boykott wollte sich WM-Liebling Lukas Podolski gegen eine Radio-Satire wehren. Doch für den WDR fällt auch Comedy unter die Pressefreiheit. Trockener Konter von EINS-LIVE-Wellenchef Jochen Rausch: "Aus unserer Sicht ist das Ganze ein eher liebevoller Umgang mit Podolski." Ein Gericht gab ihm Recht, die Comedy wurde fortgesetzt. Auch Podolski lässt inzwischen das Schmollen und gibt fleißig Interviews für Rauschs Kollegen von der ARD. Haltung bewiesen, Ruf gemehrt.

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foto foto Sascha Zeus, 49, und Michael Wirbitzky, 43, für ihre SWR3-Morningshow, die auch nach Jahren noch intelligent, schlagfertig und lustig ist.

Wo Morningshows landläufig gerne als Musterbeispiel für die Verderbtheit zotigen Dudelfunks herangezogen werden, sticht die SWR3-Morningshow seit Jahren dank ihrer mal wirklich lustigen Moderatoren Sascha Zeus und Michael Wirbitzky heraus. Während sich ihre jüngeren Kollegen auf den Nachbarwellen in ihrem Gelärme und Geplärre gegenseitig überbieten, sind die beiden Frühaufsteher tatsächlich witzig und schreiben ihre Gags selbst, darunter so erfolgreiche und absurde Comedyreihen wie "Taxi Sharia".

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Magazinjournalist des Jahres 2006


foto foto Michael Ebert, 32, und Timm Klotzek, 33, NEON-Chefredakteure, die das erfolgreichste und modernste Magazin Deutschlands etabliert haben.

NEON ist ein Phänomen. Niemand hätte wohl darauf gewettet, dass das Magazin für junge Erwachsene nach nur zwei Jahren an der 200.000-Auflage knabbert. Die Chefredakteure machen ein unaufgeregt solides Heft, das das Lebensgefühl seiner Leser offenbar genau trifft. Klotzek und Ebert haben ein klares Gespür für Themen und dafür, wie man sie emotional verkauft. Die ganze Branche wüsste gerne, wie man so etwas schafft - ein neues Magazin gründen und eine derart treue, junge Leser-Gemeinschaft darum versammeln.

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foto Uly Foerster, 58, Chefredakteur des LUFTHANSA-MAGAZINS, für eine Corporate-Publishing-Zeitschrift, die Maßstäbe setzt.

Rund 600.000 Exemplare druckt die Lufthansa monatlich von ihrem Bordmagazin und dessen Edel-Ableger LUFTHANSA EXCLUSIVE. Was die Anzeigen angeht, ist das LUFTHANSA MAGAZIN eine der erfolgreichsten Zeitschriften überhaupt - und auch eine der besten. Von solchen Reisereportagen und Porträts könnte manches Publikumsmagazin etwas lernen. Uly Foerster ist ein erfahrener Zeitschriftenmacher und hat 1996 SPIEGEL ONLINE erfunden. Er schafft es, Corporate Publishing und Qualitätsjournalismus zu verbinden.

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foto Margit J. Mayer, 46, Chefredakteurin von AD - ARCHITECTURAL DIGEST, weil sie das beste deutsche Special-Interest-Magazin macht.

Wer "Der Teufel trägt Prada" im Kino gesehen hat und dachte "so was gibt es nur in Amerika", der kennt Margit J. Mayer nicht. Seit 2000 residiert die Österreicherin in der Münchner Maximilianstraße und leitet AD, ein Magazin, das mit den restlichen Wohnzeitschriften herzlich wenig gemein hat. AD bekam mehrere Lead-Awards und wird international beachtet, denn man sieht dem Heft die Leidenschaft für Qualität und Details an. Dass die Chefin dabei mehr Redakteure verschleißt als irgendwer sonst, das gehört wohl irgendwie dazu.

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foto Wolf Lotter, 44, BRAND EINS, für seine seitenlangen, nie langweiligen Schwerpunkttitelgeschichten, die das Magazin ausmachen.

Ohne Wolf Lotters Schwerpunkte wäre BRAND EINS nicht BRAND EINS - und damit nicht das erfolgreichste "Fanzine der deutschen Wirtschaft", (wie die TAZ einmal schrieb), das auch Nicht-Ökonomen gern lesen. Oft gehörte Schlagworte wie "Erfolg", "Verkaufen" oder "Sparwahn" füllt Wolf Lotter in den BRAND EINS-Themenschwerpunkten mit Leben, beleuchtet sie von allen Seiten und macht sie zu umfassenden, genussvoll zu lesenden Zeit(geist)diagnosen. Das macht BRAND EINS fast zu einer Art Gesamtkunstwerk.

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foto Die Redaktion von OHRENKUSS, weil dieses Magazin von und für Menschen mit Down-Syndrom besser ist als die meisten Kiosk-Zeitschriften.

Jetzt denken Sie: Ein Magazin, das von Redakteuren mit Down-Syndrom gemacht wird - ganz schön politisch korrekte Nominierung. So einfach ist das aber nicht: OHRENKUSS ist vor allem ein Magazin mit Seele, Herz und Gefühl. Die Texte schreiben oder diktieren die Autoren selbst. Chefredakteurin Katja de Bragança, selbst nicht von der Chromosomen-Abweichung betroffen, verändert nichts, druckt aber nur die besten Texte in den monothematischen Ausgaben. Zum Beispiel zu den Themen: "Baby", "Wohnen", "Mode" - oder "Mongolei".

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foto Thomas "Doc" Schneider, 55, weil INTOUCH ein kommerzieller Megaerfolg und die erfolgreichste Magazineinführung der letzten Jahre ist.

INTOUCH ist für manchen Journalisten ein Graus: Statt langer Texte druckt das Magazin fast ausschließlich Paparazzi-Bilder von Leuten, die INTOUCH-Leser oft nur aus INTOUCH kennen. Vielleicht gerade deswegen ist das im letzten Winter gestartete Magazin - neben NEON - die erfolgreichste Neueinführung der letzten Jahre. Wer interessiert sich schon für Texte, die ohnehin größtenteils ausgedacht wären? "Doc" Schneider hält die Branche in Atem: Schon plant er für seinen Bauer Verlag eine neue Frauenzeitschrift.

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foto Klaus Schweinsberg, 36, CAPITAL-Chefredakteur, für den gelungenen Relaunch und seine meinungsfreudigen Editorials.

Niemand wird Klaus Schweinsberg vorwerfen, er habe in seinem ersten Jahr als CAPITAL-Chef zu wenig Unruhe verbreitet. Nicht nur krempelte er das Heft radikal um, verpasste ihm eine straffere Optik und lüftete die Themenmischung durch. Es gibt auch kaum einen deutschen Chefredakteur, der klarer schreibt, was er denkt - und dann seine wirtschaftsliberalen Thesen in einem eigenen Blog mit Lesern diskutiert. Auch in vielen Fernseh-Talkshows schlägt sich Schweinsberg gut - ein echter Aufsteiger.

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foto Wolfram Weimer, 42, CICERO, weil er sein "Magazin für politische Kultur" wider Erwarten erfolgreich etabliert hat.

CICERO hat es in diesem Jahr immer wieder geschafft, die politisch-intellektuelle Debatte in Deutschland zu befeuern - sei es mit den Thesen von Eva Herman, die hier zuerst gedruckt wurden. Sei es mit einer umstrittenen, aber viel diskutierten Liste der 500 wichtigsten Intellektuellen Deutschlands. Vor allem aber mit der Klage des Magazins vor dem Verfassungsgericht gegen die Durchsuchung der Redaktionsräume durch die Staatsanwaltschaft. Man muss Weimers Magazin nicht lieben, aber es hat sich Respekt verdient.

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foto Dominik Wichmann, 35, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG MAGAZIN, für die blattmacherische Schöpfung der Rubrik "Sagen Sie jetzt nichts".

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte - das dachte sich wohl die Redaktion des SZ-MAGAZINS. Per Foto antworten seitdem interessante Menschen auf mehr oder weniger diskrete Fragen nur mit ihrem Gesichtsausdruck - eine echte Erfindung. Chefredakteur Dominik Wichmann hat das Magazin durch die Medienkrise gerettet und profitabel gemacht. Nach wie vor wird es außerdem mit Preisen überhäuft. Ganz nebenbei entwickelte Wichmann auch noch den Dummy für eine SZ-Sonntagszeitung.

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foto Andrea Zangemeister, 64, weil sie BILD DER FRAU in 23 Jahren zur erfolgreichsten Frauenzeitschrift Deutschlands gemacht hat.

Da braucht niemand die Nase zu rümpfen - BILD DER FRAU ist mit 1,2 Millionen Exemplaren die auflagenstärkste deutsche Frauenzeitschrift. Den größten Anteil an diesem Erfolg hat wohl der Chefredakteur: Andrea Zangemeister, die seit 23 Jahren an der Spitze steht, besteht auf der männlichen Form - für sie eine Frage der Emanzipation. Ganz früher hat sie bei BILD die Seite eins gemacht, bevor sie zur Gründungschefredakteurin einer Zeitschrift wurde, die seitdem fast jede Woche eine Diät auf dem Titel hat. Nun tritt sie ab.

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Zeitungsjournalist des Jahres 2006


foto Robert Birnbaum, 49, Parlaments-Reporter des TAGESSPIEGELS, weil er seine Polit-Kenntnisse leserfreundlich weitergibt.

Robert Birnbaum ist der beste Schreiber im politischen Berlin. Ihm fallen die schönsten Bilder ein, er hat stets einen leichten und nicht magensauren Zugang. Egal ob ein Erklärstück, eine Seite drei oder ein Kommentar - seine Artikel sind nie Standard, sondern beweisen sein Insidertum. Denn Birnbaum ist ein exzellenter Kenner der politischen Szene, berichtet seit inzwischen 20 Jahren über Bundespolitik. Birnbaum ergreift nicht Partei, sondern er schreibt einfach das auf, was er beobachtet und hört - und das ist eine Menge.

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foto Georg Blume, 43, weil sich der China-Korrespondent von ZEIT und TAZ nicht durch die chinesische Regierung von seiner Arbeit abhalten ließ.

Seine Arbeit in China könnte auch Thema eines James-Bond-Filmes sein. Recherchen gegen Umweltsünden brachten ihn schon vergangenes Jahr ins Gefängnis, doch Blume ließ sich nicht einschüchtern und machte weiter. Im Juli war er den chinesischen Behörden wieder im Weg. Diesmal brachten ihn "illegale" Interviews in Sachen Staudammprojekt am Nu-Fluss hinter Gitter. Blume weigerte sich dennoch standhaft, seine Unterlagen zu vernichten, und rettete so die wichtigsten Dokumente seiner Arbeit.

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foto Dietmar Dath, 36, für seine literarischen, essayistischen und wissenschaftsjournalistischen Texte im Feuilleton der FAZ.

Warum ist das Feuilleton der FAZ bloß so verdammt toll? Unter anderem wegen Dietmar Daths Texten. Und seiner Themenwahl: Er ist flammender Fan der großartigen Serien von Joss Whedon ("Buffy"; "Angel"), von denen andere Kulturschreiber wahrscheinlich noch nie gehört haben, kennt sich aber genauso gut mit theoretischer Physik aus. Wenn sich die FAZ einem Phänomen wie der Rückkehr dämonischer Kinder im Film widmet, dann ist es ein Text von Dietmar Dath. Ach, und nebenbei hat er auch noch zwölf Bücher geschrieben.

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foto Jonathan Fischer, 42, für seine engagierten, spannenden Berichte und Reportagen über schwarze Musik aus Afrika und Amerika.

In Deutschland gibt es nicht viele Musikjournalisten, die ein so tiefgründiges Fachwissen afroamerikanischer Musik haben wie Jonathan Fischer. Der 42-Jährige spürt in den Ghettos von Los Angeles oder den Townships von Soweto neue Musiktrends auf, bevor sich diese auf ihren Siegeszug um die Welt machen. Und wenn Fischer hinterher nach München zurückkehrt, finden sich im Gepäck des DJs nicht nur Musik für seine Club-Nächte und die Compilations, die er herausgibt, sondern auch viele spannende Musik-Reise-Reportagen.

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foto Andrian Kreye, 44, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, für 18 Jahre spannende und oft genug prosaische Reportagen aus New York.

Mit 25 ging Andrian Kreye nach New York, als selbsternannter TEMPO-Korrespondent. Er blieb 18 Jahre, machte Filme für TELE5, schrieb Bücher und für das FAZ-Magazin. Seit 2000 ist er SZ-Korrespondent, und regelmäßige Leser des Blatts fragen sich, wie Kreye seinen hohen Output an tiefschürfenden und kenntnisreichen Reportagen schafft. Ende des Jahres räumt er seinen Brooklyner Schreibtisch auf und wechselt in die Münchner SZ-Redaktion, wo er mit Thomas Steinfeld das Feuilleton leiten wird.

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foto Roger Köppel, 41, WELT-Chefredakteur, weil er die Mohammed-Karikaturen abgedruckt hat und ein Leben mit Morddrohungen in Kauf nahm.
Natürlich kann man die dänischen Mohammed-Karikaturen für blöd, geschmacklos, unwitzig halten, denn genau das waren sie auch. Nur: Als der Streit darum losbrach und in den arabischen Ländern von Fanatikern dänische Flaggen verbrannt wurden, wusste kaum ein Leser, worum es eigentlich ging. Denn nur wenige Zeitungen wagten es, die Zeichnungen nachzudrucken. Die WELT schon. Auch, wenn ein klares Bekenntnis zur Pressefreiheit manchmal eine sehr unangenehme Entscheidung sein kann.

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foto Annette Ramelsberger, 46, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, weil sie als Erste über die Bespitzelung von Journalisten durch den BND schrieb.

Annette Ramelsberger ist eine Ausnahmejournalistin, weil sie a) eine Koryphäe auf ihrem Gebiet ist (innere Sicherheit), b) investigativ recherchieren und c) auch noch brillant schreiben kann. In diesem Jahr enthüllte sie zudem noch einen Skandal, der für Wochen die Schlagzeilen beherrschte: Sie schrieb als Erste über den geheimen Bericht, der nachwies, dass der BND seine wertvollen Ressourcen darauf verwendete, die Journalisten des eigenen Landes zu bespitzeln. Ein Thema, das alle anderen Zeitungen aufgriffen.

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foto Frank Schirrmacher, 47, FAZ, weil er die Brisanz des Grass'schen Waffen-SS-Geständnisses erkannt und damit den Feuilleton-Coup gelandet hat.

Und wieder ein Jahr, das nicht ohne eine Schirrmacher-Debatte auskam. Diesmal hatte es der FAZ-Herausgeber aber nicht seinem neuen Buch ("Minimum") zu verdanken, dass er die Welt der Feuilletons genauso wie die Welt an sich in Aufruhr versetzte. Sondern seinem Gespür für Themen: Viele Journalisten hatten Günter Grass' Autobiografie gelesen, ohne die entscheidenden Schlüsse zu ziehen. Erst Schirrmacher erkannte, welche Brisanz in Grass' spätem Geständnis steckte, er sei Mitglied der Waffen-SS gewesen.

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foto Henning Sußebach, 34, DIE ZEIT, weil er aus einem nicht autorisierten Oliver-Kahn-Interview ein viel spannenderes Oliver-Kahn-Porträt machte.

Wenn der sonst so kühle und unnahbare Oliver Kahn in einer kleinen Münchner Bäckerei einem Journalisten offenherzig von Ängsten und Schwächen erzählt, dann ist das zwar noch längst keine Sensation, aber immerhin beachtenswert - wenn das Interview denn veröffentlicht wird. Noch beachtenswerter ist es aber, wenn der Torwart das komplette Interview zurückzieht - und der Journalist daraufhin ein Porträt schreibt, das viel mehr über Druck, Leid und Sorgen eines Sportlers erzählt, als es jedes Interview vermocht hätte.

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foto Dieter Wonka, 52, für das einzige und exklusive Interview mit den beiden Irak-Geiseln in der LEIPZIGER VOLKSZEITUNG.

Als die Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nietzschke nach 99 Tagen Geiselhaft im Irak freigelassen wurden, wollten sie vor allem eines: nämlich wieder leben wie Hinz und Kunz, ohne Touren durch Talkshows und die Boulevardpresse. Nur ein einziger Journalist hat dann doch ein Interview bekommen, und das war keiner von BILD oder SPIEGEL, nicht Beckmann oder Kerner, sondern Dieter Wonka - jemand aus der Heimat, jemand, der den Irak kannte, jemand der klug und sensibel fragen konnte. Es war eine gute Wahl.

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Onlinejournalist des Jahres 2006


foto BBC NEWS, für blitzschnellen, blitzsauberen und zuverlässigen Nachrichtenjournalismus - und weil wir hinterher alle abschreiben.

Bei BBC NEWS steht das zuerst, was ein paar Minuten später von deutschen Nachrichtenseiten abgeschrieben wird. Der Grund: Journalistische Standards und große Investitionen zahlen sich aus, und zwar mit dem besten Journalismus, den das weltweite Internet zu bieten hat. Zudem findet sich keine Internet-Nachrichtenseite, die so schnell Neues auch aus jenen Erdteilen vermeldet, die sonst eher nur am Rande wahrgenommen werden - der traditionellen Internationalität der BBC sei Dank.

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foto Andrea Böhm, 45, ZEIT.DE, für ihr "Kongo-Blog", das Tagebuch mit aktuellen, ausführlichen Berichten und Reportagen zur Wahl im Kongo.

Die erste freie Wahl der Kongolesen seit über 40 Jahren fand in Deutschland vor allem durch die Bundeswehr-Präsenz in dem zentralafrikanischen Land ihre mediale Beachtung. Wer aber ausführlich und regelmäßig wissen wollte, was in dem gebeutelten Land abseits der Friedenstruppen geschah, wer lesen wollte, wie die Menschen über das Ereignis und seine Bedeutung dachten, mit welchen Gefühlen sie an die Wahlurnen gingen, der konnte sich über Andrea Böhms zuverlässige Reportagen in ihrem "Kongo-Blog" freuen.

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foto Henryk M. Broder, 60, weil er im Karikaturenstreit die Frage gestellt hat, wo eigentlich all die dänischen Fahnen herkommen.

Und natürlich nicht nur deswegen. Der SPIEGEL-Autor stellt eigentlich immer die richtigen Fragen und beantwortet sie auch - und zwar eindeutig. Er ist polemisch und politisch absolut unkorrekt, manchmal möchte man jubeln, weil endlich mal jemand Klartext schreibt, manchmal möchte man ihm schreiend widersprechen (was nichts dran ändert, dass man seine Artikel verdammt gern liest - selbst wenn man sich drüber ärgert). Ob man seine Meinungen teilt oder nicht, daran vorbei kommt man nicht. Will man auch nicht.

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foto Clemens Gerlach, 41, SPIEGEL ONLINE, weil er es als Ressortleiter geschafft hat, dass SPON auch im Sport ein Leitmedium ist.

Unter Clemens Gerlach ist der Sport bei SPIEGEL ONLINE allmählich aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Aktuelle Meldungen verbunden mit hervorragenden Kolumnen und hintergründigen Geschichten sind das Markenzeichen des Ressorts geworden. Gerlach schafft es dabei immer auch, gute Autoren von außen mit einzubinden und lässt so sein Ressort nicht zum Sprachrohr von Vereinen und Verbänden verkommen. Eine gute Mischung, die andere Sportexperten im Netz oftmals alt aussehen lässt.

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foto Angela Merkel, 52, Bundeskanzlerin und der erste Regierungschef der Welt mit einem eigenem Video-Podcast.

Es wird immer unübersichtlicher in den Medien. Wer ist Journalist? Wer ist "nur" ein Blogger, ein Podcaster oder Träger einer anderen neumodischen Berufsbezeichnung? Heutzutage macht jeder sein eigenes Programm, auch die Bundeskanzlerin. Woche für Woche kann sich jedermann eine frische Neujahrsansprache herunterladen - man muss nur wollen. Angela Merkel sendet nun direkt zum Wähler, ohne den Umweg über die alten Medien nötig zu haben. Ganz schön modern.

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foto Sigrid Neudecker, 40, ZEIT WISSEN, für ihren fabelhaft witzigen, bissigen und (fast) schmuddelfreien ZEIT-Sex-Blog.

Möchte man eigentlich noch irgendwas Humoristisches über Sex lesen? Ja! Zumindest, wenn es Sigrid Neudecker schreibt und nicht irgendeine Candace Bushnell für Arme. Ihr Sex-Blog kommentiert witzig und bissig Unglaubliches aus der Wunderwelt des Geschlechtlichen: wie den "Bust Doctor", den Domina-USB-Stick, Sex als Seller und die neuesten bahnbrechenden wissenschaftlichen Erkenntnisse. Selbstverständlich ist alles absolut SFW (safe for work). Außer natürlich die Einträge der Kategorie NSFW.

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foto Mainhardt Graf Nayhauß, 80, weil er sich im Internet neu erfunden hat. Seine NETZEITUNG-Kolumne ist Journalismus auf der Höhe der Zeit.

SPIEGEL, STERN, BUNTE, WELT, WIRTSCHAFTSWOCHE, BILD AM SONNTAG - lang ist die Liste der renommierten Blätter, für die der Graf von Nayhauß-Cormons schon aus der Bonner Politik berichtet hat. Vor allem mit seiner BILD-Kolumne ist er bekannt geworden. In der NETZEITUNG hat er seit einiger Zeit das Internet für sich entdeckt und berichtet nun aus Berlin. Dass er mit 80 Jahren jenseits der Pensionsgrenze liegt, stört ihn ebenso wenig wie die Umstellung auf ein neues Medium. Man muss mit der Zeit gehen.

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foto Tim Renner, 41, MOTOR FM, weil er als Erster erkannt hat, dass mit anspruchsvollem Online-Radio auch Geld zu verdienen ist.

Zwar ist Tim Renner als jüngster Chef von Universal bekannt geworden, doch seine Karriere begann er als Musikjournalist. Als vor einem guten Jahr in Berlin und Stuttgart MOTOR FM den Sendebetrieb aufnahm, glaubten wenige daran: alternative Musik? Keine klassische Werbung? Wie sollte das funktionieren? Doch gleich im ersten Jahr schrieb der Sender schwarze Zahlen - weil der Live-Stream wichtiger ist als die analoge Verbreitung, weil MOTOR FM sich mit seinen Hörern vernetzt und weil es einfach ein verdammt guter Sender ist.

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foto Jörg Sadrozinski, 42, TAGESSCHAU.DE, weil er neben kompetentem Online-Journalismus auch noch das Medium weiterentwickelt hat.

Die 20-Uhr-Tagesschau ist anerkanntermaßen die wichtigste Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen. Dank Jörg Sadrozinski ist auch der Online-Ableger TAGESSCHAU.DE eine der wichtigsten und zuverlässigsten Nachrichtenquellen im Internet. Qualitätsjournalismus, der technisch immer auf dem neuesten Stand ist - durch die Integration des umfangreichen Audio- und Videomaterials der großen Fernseh-Schwester sorgte er für eine wirkliche Weiterentwicklung des Nachrichtenjournalismus im Internet.

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foto Jan Wigger, 33, Musikjournalist bei SPIEGEL ONLINE und eine Instanz für alle Musikfans, weil er herrlich verschwurbelte CD-Kritiken schreibt.

Mit seinen Plattenkritiken injiziert Jan Wigger Musik direkt in die Gehörgänge seiner Leser - ohne dass auch nur eine Note in der Luft hängt. Der freie Musikjournalist schreibt sonst für MUSIKEXPRESS und ROLLING STONE, doch mit seiner wöchentlichen SPIEGEL-ONLINE-Rubrik "Abgehört: Die wichtigsten CDs der Woche" erreicht er auch die Gelegenheitshörer von Indie-Musik. Dank Wigger haben schon so manche Geheimtipps den Weg in den CD-Player gefunden. Oder blieben bleischwer im Verkaufsregal liegen.

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Newcomer des Jahres 2006


foto Katrin Bauerfeind, 24, das Gesicht des Online-TV-Senders EHRENSENF. Lustig, schnell, charmant - einfach eine echte Entdeckung. Es ist zu vor allem der Verdienst von Moderatorin Katrin Bauerfeind, dass sich das Internet-Magazin EHRENSENF eine treue Anhängerschaft erarbeitet hat. Bauerfeind moderiert die aus Internet-Fundstücken zusammengebaute Nachrichten-Satire wunderbar trocken und süffisant, ihr oftmals schwarzer Humor wirkt nie aufgesetzt - offenbar ein Naturtalent, das sämtliche etablierten Fernsehleute ausstechen könnte. Und: die Ernsthaftigkeit ihres Abschlusssatzes "I love to entertain you" nimmt man Bauerfeind sofort ab.

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foto foto Anita , 28, und Marian Blasberg, 31, für ihr ZEIT-Dossier "Gestrandet in Europa", eine Reportage über westafrikanische Bootsflüchtlinge Es gibt nicht viele Jungjournalisten, die schon vor dem 30. Lebensjahr komplette ZEIT-Dossiers (und SPIEGEL-Titelgeschichten) geschrieben haben. Den Geschwistern Blasberg gelang es, so beklemmend anschaulich und packend die Geschichte der Flucht des jungen Senegalesen Mass Diop zu erzählen, dass man sich als Leser mitgenommen fühlte auf dessen gefährliche Bootsfahrt über den Atlantik. Auch der bizarre Zusammenstoß von Urlaubern und Flüchtlingen auf Teneriffa war nirgends besser beschrieben.

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foto Katharina Borchert, 33, WAZ, für ihren Aufstieg von der Bloggerin zur WAZ-Online-Chefin und Blog-Beraterin von Angela Merkel. Katharina Borchert hat es geschafft. Statt zu Hause auf dem Sofa Geschichten aus ihrem Alltag aufzuschreiben, bringt sie nun den Onlineauftritt der WAZ auf Vordermann. Dass sie dafür die Richtige ist, daran besteht kein Zweifel. Hängen ihr doch mittlerweile Tausende von Lesern an den Lippen, wenn sie in "Lyssas Lounge" aus ihrem Leben berichtet. Ihr Ruf als Online-Expertin ist nicht nur nach Essen vorgedrungen. Kurz vor Amtsantritt erklärte sie noch Angela Merkel, dass ein Videoblog keine Regierungsansprache ist.

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foto Michael Borgstede, 29, für seine menschlichen Berichte aus Israel für die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG. Mit Berichten aus Krisengebieten, die fast täglich in den Schlagzeilen sind, ist es so eine Sache: Einige lesen sie aus Interesse, viele lesen sie, um eben irgendwie informiert zu sein. Michael Borgstedes Artikel liest man dagegen immer mit Interesse. Der freie Korrespondent schafft es in der FAS, den ganz normalen Alltag hinter den täglichen Nachrichten aus Nahost sichtbar zu machen. Und das in klaren Worten, nie tränendrüsendrückend, nie langweilig - und oft sogar mit Humor. Denn Israel ist mehr als nur Krisengebiet.

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foto Astrid Geisler, 32, TAGESZEITUNG, weil sie die bestinformierteste NPD-Expertin des Landes ist und die Tricks der Rechten durchschaut. An dem Abend, an dem die Rechtsextremen bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern massiv an Stimmen gewannen, war sie in dem Dorf mit dem höchsten NPD-Ergebnis. Astrid Geisler ist eine der wenigen echten Kennerinnen der rechten Szene und sorgt mit Reportagen und Analysen in der TAZ dafür, dass kein Trick der NPD verborgen bleibt. Ihre Ausbildung machte Astrid Geisler an der Deutschen Journalistenschule in München. Ihre ersten Sporen verdiente sie sich bei der NETZEITUNG und der AFP.

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foto Sebastian Glubrecht, 30, vom SÜDDEUTSCHE ZEITUNG MAGAZIN für eine der einfühlsamsten Reportagen des Jahres. Sebastian Glubrecht hat für das SZ-MAGAZIN eine der besten Reportagen dieses Jahres geschrieben. Der Titel: "Bis dass der Tod euch scheidet". Dahinter verbirgt sich die bewegende Geschichte über eine Ehe, die durch Krankheit gezeichnet, mit viel Liebe und einem Kopfschuss endet. Geschichten, die das Leben schreibt und Glubrecht fantastisch aufschreibt. Aber Glubrecht kann auch lustig sein. Durch seine Kolumne "Zwei, die nicht miteinander können" weiß man endlich, warum sich Kokser und Kiffer auf Partys immer im Weg stehen.

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foto Natascha Kampusch, 18, Überlebende einer acht Jahre langen Entführung, die sich von den Medien nicht noch einmal zum Opfer machen ließ. Natascha Kampusch war nicht nur ein Objekt der Berichterstattung, sondern sie hat sich selbst zum Subjekt gemacht. Mit starkem Willen und klaren Worten bewies sie wenige Tage nach ihrer dramatischen Flucht im Interview mit ORF-Journalist Christoph Feurstein, dass Fernsehen und Radio nicht dumm machen, sondern trotz achtjähriger Isolation druckreifes Sprechen lehren. Sie war die wichtigste Medienfigur des letzten Jahres - und das hat sie ebenso wenig kaputtgemacht wie acht Jahre eingesperrt zu sein.

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foto Kay Sölve Richter, 32, die Neue bei "heute", weil sie auch sehr, sehr früh morgens immer ein verstecktes Lächeln auf den Lippen hat. Ist es möglich, sich jeden Morgen im Jahr, jede halbe Stunde eine neue Überleitung zum Wetterbericht auszudenken? Kay Sölve Richter kann das. Aus ihr wird sicher noch etwas Großes - sie hat eine gute Sprache, jede Menge Wortwitz (nicht nur bei den Überleitungen zum "Wettervogel") und schon viel Erfahrung: Nach einer Ausbildung beim Radio moderierte sie bei RTL die Wochenend-Nachrichten und studierte ganz nebenbei noch Geschichte und Politik. Und sie kann sicher noch mehr, als "nur" die Nachrichten vorzulesen.

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foto Tobias Rüther, 33, weil seine Musikerporträts all die eingeschliffenen Pop-Floskeln meiden und Menschen hinter den Idolen sichtbar machen. Eigentlich arbeitet er ja im Reise-Ressort der FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG, und ja, auch seine Reisereportagen sind gut. Aber sein Herz gehört eigentlich der Literatur und vor allem der Popmusik. Darüber schreibt Tobias Rüther mit einer Begeisterung wie niemand sonst. Er lobt lieber als dass er verreißt. Nie ist er herablassend, nie doziert oder klugscheißt er rum, er schreibt über Belle and Sebastian und Bryan Ferry und a-ha, und heraus kommen Porträts, die sich lesen, wie die Lieblingsplatte klingt.

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foto Anne Seith, 30, SPIEGEL ONLINE, für ihre originellen Berichte aus allen Bereichen der deutschen Wirtschaft. Der vergessene YOUTUBE-Gründer, ein Kantinentest in Autowerken, die Tipp-Kick-WM - Anne Seith schreibt die SPIEGEL-ONLINE-Artikel, über die später alle beim Mittagessen reden. Mit knapp 30 ist die Wirtschaftsredakteurin ein Beispiel dafür, wie sehr SPON zum heimlichen Leitmedium geworden ist. Mit klarem Stil und Talent für Zuspitzungen schreibt sie die Geschichten, die jeder anklickt. Eigentlich kommt sie von den alten Medien: Vor einer Ausbildung an der Berliner Journalisten-Schule schrieb sie bei FAZ und TAGESSPIEGEL.

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(Zuordnung Nominierte (Fotograf))

Robert Birnbaum (Kitty Kleist-Heinrich); Roger Köppel (Martin Lengemann); Andrian Kreye (Wendelin Hübner); Frank Schirrmacher (Daniel Biskup); Dieter Wonka (Frank Ossenbrink); Dietmar Dath (Wonge Bergmann) Anita Blasberg (Jakob Feigl); Natascha Kampusch (ORF); Kay Sölve Richter (ZDF/C. Sauerbrei); Anne Seith (Gerald Sagorski); Mainhardt Graf Nayhauß (Dirk von Nayhauß); Sigrid Neudecker (Die Zeit); Angela Merkel (Frank Ossenbrink); Tim Renner (Motor Entertainment GmbH); Jörg Sadrozinski (NDR/www.image-point.de/Uwe Ernst); Ulrike Ebenbeck (BR/Kreutzer-Schertler); Ernst Elitz (Deutschlandradio/Bettina Straub); Georg Schwarte (NDR/Christoph Isenberg); Max Spallek (RBB/Thorsten Kaspar); Klaus Fiehe (WDR/Dietmar Seip); Günter Koch (BR); Bettina Rust (Sat.1/André Kowalski); WDR (WDR/Schulze); Margit J. Mayer (www.oliver-mark.com); Wolfram Weimer (Uta Rademacher); Götz Alsmann und Christine Westermann (WDR/Gaby Winkler); Gero von Boehm (ZDF/Klaus Weddig); Jürgen Klopp, Urs Meier und Johannes B. Kerner (ZDF/Jürgen Detmers); Theo Koll (ZDF/Svea Pietschmann); Sabine Christiansen (Torsten Fleischhauer/T-Online/ddp); Anke Hlauschka (SWR/Krause-Burberg); Katrin Sandmann (N24); Hajo Seppelt (RBB/Oliver Ziebe); Sönke Wortmann (Senator Film)